
Im März 1995 war eigentlich der inoffizielle Startschuss für Blue Rose. Wir waren erstmals in Austin, Texas, um beim South-By-Southwest-Festvial, kurz SXSW genannt, nach Bands für das zukünftige Roots-Label zu suchen. So blauäugig wie wir damals waren konnte es eigentlich nur funktionieren. Dabei hatten wir noch nicht einmal einen Namen für das zukünftige Rootsrock-Label, und von den meisten wurden wir nur milde belächelt - wenn überhaupt beachtet. Die Geschichte zeigt, was letztlich daraus wurde.
Zum 11. Mal gehts nun also rüber auf Entdeckungsreise, Labels treffen, Manager, Künstler, das heißt von morgens 9 Uhr bis morgens um 3 Uhr auf den Beinen sein.
SXSW - das heißt auch ca 1.300 (!) Künstler/Bands in ca. 40 Clubs an 4 Tagen, darunter so ziemlich alles, was in unserem Metier Rang und Namen hat. Mein Notizblatt umfasst derzeit schon wieder so viele Namen, dass ich bereits jetzt weiß, dass nicht alle zu schaffen sein werden. Das Hauptaugenmerk liegt natürlich auf unseren Künstlern: Jon Dee Graham, Susan Cowsill, Tim Easton, Ben Lee, Sarah Lee Guthrie & Johnny Irion, den Resentments, Steve Wynn oder den Silos. Aber auch die anderen haben es in sich: Tift Merritt, Son Volt, Brent Best (Slobberbone) oder Kathleen Edwards, um nur einige zu nennen. Es wird verdammt schwer werden, hier den Rotstift anzusetzen...
Ihr könnt auch diesmal wieder dabei sein - sofern ihr einen PC und Internet-Zugang habt. Ich habe mir nämlich vorgenommen, wie im vergangenen Jahr ein kleines SXSW-Tagebuch zu schreiben und tagtäglich zu berichten, was so abgeht in den SXSW-Tagen. Der Laptop ist mit den notwendigen Programmen gefüttert, per Digitalkamera werden wir auch Fotos liefern können, also Daumen drücken, dass alles so funktioniert, wie ich mir das vorgestellt habe. Ab 14. März gehts los, ein Besuch unserer Website lohnt sich also mehr denn je.
Habe ich euch bereits heiß gemacht? Gut, dann steigt mit mir ein in das Abenteuer SXSW 2005. Es wird sich lohnen. Auch für euch!
Schöne Grüße,
Edgar Heckmann
Sonntag, 20.3.
Es war so gut wie überstanden. Der Sonntag wird zum allgemeinen Erholen und verpasstem Shopping genutzt - Die USA kennen ja keine Ladenschlusszeiten. Abends als traditionellen Abschluss in den "Saxon Pub" zu den RESENTMENTS, die in ihrem wie immer unterhaltsamen Set auch einige Songs von ihrem im Mai erscheinenden Album vorstellten. Direkt anschließend WALTER TRAGERT mit einem 60 Minuten-Set, Scrappy Jud Newcomb wechselte kurzerhand von der akustischen zur elektrischen Gitarre und machte mächtig Dampf. Von dem Stück "Clear To Me" haben ich nochmals ein Video gemacht.
Dann reichte es - am nächsten Morgen musste ich um halb Neun zum Flughafen und den Heimflug antreten.
Samstag, 19.3.
Für die Biertrinker und speziell Austin-Reisende unter euch: dass wir als Deutsche das Shiner Bock am liebsten konsumieren, steht wohl außer Frage. Shiner hat seine "Produktpalette" nun um das "Shiner Blonde" erweitert, also kein dunkles, sondern ein helles Bier. Schmeckt auch sehr gut, nur ob das Flaschenetikett eine gute Wahl war - eine Blondine auf einer Schaukel schwingend?
Doch ich schweife vom Thema ab. Musikalisch war der heutige Samstag ziemlich gespickt mit guten Sachen, die man alle gar nicht mitnehmen kann. Am frühen Nachmittag fuhr ich zur 17. Straße hinauf zum einem Irish Pub, wo ich noch nie zuvor war: "Dog and Duck" heißt er und hat auch ein abwechslungsreches Nachmittagsprogramm zusammengestellt. SUSAN COWSILL spielte mit ihrer Band ca. 30 Minuten und kam bei dem zahlreich erschienenen Publikum super an. Den Titelsong ihres Albums haben wir als Video mitgeschnitten.
Danach fuhr ich auf die Congress Avenue und machte Stipvisiten im Hinterhof der Yard Dog Gallery, wo das Musikmagazin "Harp" bei Freibier und -essen eine Party gab. Kurz hinüber in den Continental Club zu Mojo Nixons jährlich stattfindender Party. War allerdings so voll, dass keiner rein kam, also wollte ich wieder über die Straße zu "Gueros", wo ebenfalls im Freien die Musik spielte. Doch da setzte plötzlich ein Wolkenbruch ein, wie er nur in Austin verkommt. Was da innerhalb von einer halben Stunde an Wasser den Himmel herunterfiel, das war schon unglaublich. Ich konnte mich gerade noch ins Auto "retten". Entschied mich dann, ins Hotel zu fahren, obwohl ich gerne noch STEVE WYNN bei seinem 7. und letzten Auftritt in 4 Tagen SXSW gesehen hätte.
Der Abend begann um 19 Uhr im "Oslo", einer Bar, direkt schräg gegenüber vom Hotel. Das US-Management von CINDY BULLENS hatte zu einem Nicht-SXSW-Showcase geladen. Cindy hatte als "Verstärkung" einen jungen Bassisten sowie ihre Tochter Reed dabei und stellte ausschießlich Songs aus ihrem im Mai erscheinenden Album Dream #29 vor. Ich habe einige Songs videotechnisch mitgeschnitten und online gestellt: "Box Of Broken Hearts", "Oriental Silk", "Jellico Highway" und "Dream #29".
Kurz vor 8 weiter zu "Momos", wo eine "kanadische" Nacht angesagt war. Der Laden für die Uhrzeit überraschend voll, APOSTLE OF HUSTLE hatten bereits begonnen. War allerdings überhaupt nicht mein Fall, komische Songaufbauten, keine erkennbaren Melodien, Hooklines oder griffige Gitarrenparts. Die Leute schienen aber wohl hauptsächlich wegen dieser Band gekommen zu sein (Gitarrist Andrew Whiteman spielte früher in der angesagten Band Broken Social Scene), nach Ende des Auftritts verließen die meisten Besucher den Club. Auch gut, so konnte ich mich nach vorne in die erste Reihe stellen. Auf MATT MAYS & EL TORPEDO aus Dartmouth war ich gespannt, von denen hatte ich mal eine CD mit 4 Songs erhalten, die sehr gut waren. Live waren sie mit Sicherheit die bisher lauteste Band bei SXSW und gehören sicher in die TOP 5 meiner lautesten Konzerte überhaupt. Das verminderte das Hörvergnügen doch etwas, die Songs waren nämich ohne Ausnahme hervorragend. Dicke Gitarrenwände (teilweise 3 E-Gitarren), 4-stimmiger Gesang und mit Matt Mays ein perfekter Frontmann. Das war Georgia Satellites-meets-Rich Hopkins-meets-Driveway - laut aber gut.
Zurück auf die 6. Straße in die "Soho Lounge" zu den GRIP WEEDS. Von denen war mir schon vor x Jahren eine CD angeboten worden, die ich aus irgtendwelchen Gründen dann doch nicht gemacht habe. Die Band gibt es also immer noch und macht wie damals auf 60s Pop Rock und klingt teilweise wie die Byrds, nur härter und "zeitgemäßiger". Beispielhaft für den gelungenen Auftritt: als letzten Song spielten sie "Shakin' All Over" und kopierten den Song originalgetreu von The Who auf deren Live At Leeds-Album.
Danach schräg gegenüber ins "B.D. Riley's", einem eigentlich ganz guten Pub, wenn nur die Bühne nicht wäre, die von einem Holzgeländer umrandet wird und die Band eingepfercht spielen muss und sich kaum bewegen kann. Es spielten SAN SABA COUNTY - keine Ahnung, wer das ist. Wollte eigentlich nur mal kurz reinschauen und blieb dann hängen, da bereits 3/4 von Slobberbone da waren sowie Mitglieder von TWO COW GARAGE. BRENT BEST von Slobberbone (die sich jetzt endgültig aufgellöst haben) erzählte von seinen Projekten, die viel versprechen lassen. Was sein großartiger Auftritt um Mitternacht nachhaltig bestätigte. Er wurde von einer 4-köpfigen Band unterstützt, darunter seine Ex-Kollegen Jess Barr an der Gitarre sowie Tony Harper an den Drums. Brent stellte ausschließlich neue Songs vor, und wer bisher traurig ob der Auflösung von Slobberbone war, den kann ich beruhigen: der Mann ist noch nicht am Ende seines Weges angekommen. Der Sound ist nicht mehr so Cowpunk-lastig wie bei Slobberbone, die Songs sind melodischer, weicher und werden durch den Einsatz von Keyboards zusätzlich in ein neues Arrangement verpackt. Absolut gelungen, nachdem die Band vorher nur dreimal geprobt hatte.
Hinterher noch ca. 20 Minuten von PAUL K & THE WEATHERMEN mitgenommen. Gut guter Country Rock, aber mir reichte es für heute. Genug gesehen/gehört.
Verpasst: Chip Taylor & Carrie Rodriguez, Sarah Lee Guthrie & Johnny Irion, Buddy Miller, Nashville Pussy, Johnny Dowd, Backyard Babies, Ben Lee, Chris Brokaw, Dash Rip Rock, Knife In The Water, Charlie Sexton, Jimmy LaFave, Bobby Bare Jr., Waco Brothers, Jesse Sykes, John Butler Trio, Wallflowers, Son Volt, Aimee Mann, Dwight Twilley.
Freitag, 18.3.
Der musikalische Teil des Tages begann erst um 18 Uhr mit dem Auftritt von ALEJANDRO ESCOVEDO bei den Auditorium Shores", einer riesigen Wiese direkt am Fluss gelegen. Es geht ihm gesundheitlich nicht schlecht, wie mir sein Manager Heinz Geissler sagte. Er sieht auch richtig gut aus, wobei eine Hepatitis C-Behandlung nicht von heute auf morgen abgehakt werden kann. Für den Auftritt hat er mächtige Geschütze aufgefahren - 9 Musiker standen auf der Bühne, darunter JON DEE GRAHAM und MARK ANDES (Spirit, Firefall), den einige von euch auch von der Iain Matthews-Tour von 1999 (?) kennen. Keyboards, zwei Chello, Geige, Drums, E-Gitarre, Lap Steel, Bass sowie Alejandro abwechselnd akustisch und elektrisch - Wall of Sound schlechthin, die Setliste eine Mischung aus Escovedos langer Karriere. Sogar einen True Believers-Song ("Losing Your Touch") ließ er nicht aus - klar, wenn sein ehemaliger Bandkollege Jon Dee Graham mit auf der Bühne stand. Für die ersten beiden Songs kam auch noch JOHN CALE auf die Bühne. Überraschung gelungen!
Für 20 Uhr war IAN HUNTER angekündigt, den ich allerdings nicht mehr mitbekam, denn ich musste einen weiten Fußmarsch ins "Tambaleo" zurücklegen, wo ich den kompletten Abend verbringen wollte. Das "No Depression"-Magazin hatte dort seinen Showcase, und das Line-Up konnte sich mehr als sehen lassen. Punkt 20 Uhr begann JIM BRYSON aus Kanada. Perfekter Start in einem langen Abend, wiederum 100% Blue Rose-tauglicher Gitarrenrock mit klasse Songs. Sofort hinterher einen Kontakt hergestellt. Wer bei der letzten Oh Susanna-Tour war, der kennt den Singer/Songwriter bereits. Da werde ich mal dran bleiben. Ganz großartig.
Dann wurde der Club rappelvoll. ROBBIE FULKS war als nächster dran. Ziemlich country-lastig war der Auftritt des langen Kerls, aber das gefällt ja vielen Amerikanern... Mir nicht allzu sehr, und auch die nächste Band auf der Liste, CAITLIN CARY & THOD COCKRELL, schlug in die gleiche Kerbe. Schade auch, dass die Bühne so niedrig war, so dass nur die vorderen Reihen etwas von den Musikern sahen, der Rest musste sich mit der Musik zufrieden geben. Ging das bei Robbie Fulks noch gut, so konnte man sowohl von CARY als auch COCKRELL nur noch die Haarspitzen erkennen.
Jim Bryson betrat um 23 Uhr zum zweiten Mal die Bühne, wenn auch "nur" als Keyboardspieler in der Band von KATHLEEN EDWARDS, ebenfalls Kanadierin. Sie ist ja derzeit der Geheimtipp schlechthin und wird sehr hoch gehandelt. Was berechtigt ist - tolle Songs, mächtige Power, kräftiger Gitarrenrock und wesentlich härter rübergebracht als von Sheryl Crow und Konsorten. Die sympathische Songwriterin wird ja derzeit in unserer Mailorder-Abteilung mit ihren beiden CDs Back To Me und Failer besonders herausgestellt, und ich kann jedem nur empfehlen, die Kanadierin anzutesten. Garantiert kein Fehlkauf!
JON DEE GRAHAM mit seiner Band (Michael Hartwick - Gitarre, George Reiff - Bass und John Chipman - Drums) begannen kurz nach Mitternacht und legten einmal mehr einen tierischen Set hin, wobei mir auffiel, dass ich Jon Dee niemals zuvor ohne Hut spielen gesehen hatte. Dafür aber im schwarzen Anzug, den er aus Zeitmangel nach dem Escovedo-Auftritt wohl nicht mehr wechseln konnte. So ist es halt in Austin, wenn man ein gefragter Musiker ist.
Den Abschluss bildeten STEVE WYNN & THE MIRACLE 3, die in dieser SXSW-Woche sicher die meistbeschäftigte Truppe war. Im "Austin Chronicle" wurden sie nach ihrem Auftritt bei "Jovita's" zum "best rock act in Austin" gekrönt, was der Set im "Tambaleo" nur bestätigte. Von Anfang bis zum Ende war Volldampf angesagt, Schlagzeugerin Linda Pitmon kam ganz kräftig ins Schwitzen. Aber sie wird wohl bereits im Hinterkopf gehabt haben, dass sie am nächsten Morgen nach Spanien fliegt. Nicht etwa, um dort Urlaub zu machen, sondern um ein neues Studioalbum mit Golden Smog aufzunehmen. Linda ist nämlich neues offizielles Mitglied dieser All Star-Truppe um Jeff Tweedy (Wilco) und Gary Louris (Jayhawks). Sie hat es verdient. Unglaublich, mit welcher Energie sie ihre "Schießbude" bearbeitet.
Um 2 Uhr wurden wir sanft aber bestimmt vom Clubpersonal hinausgewiesen. Sperrstunde? Es reichte auch. Außerdem meldeten sich die leidgeplagten Beine...
Verpasst: Calexico, Blind Boys Of Alabama, Dan Israel, Robyn Hitchcock, Ian McLagan, Two Cow Garage, Jon Langford & the Sexy, Wreckless Eric, New Model Army, Mike Peters/The Alarm, John Cale, Trish Murphy, Caroline Herring, Centro-matic, Jud Newcomb, Todd Snider, Burrito Deluxe, Tom Freund, The Silos, Kevn Kinney, Ian Hunter.
Donnerstag, 17.3.
Austin und seine Wetter-Kapriolen, ein Fall für sich: Ein Blick aus dem Fenster - strahlendblauer Himmel. Die Sonne schien, als wenn sie sich nie zurückgezogen gehabt hätte. Locker über 20 Grad sollten wir an diesem Donnerstag haben, was auch ein gutes Timing war, denn unser US-Labelpartner New West Records hatte zu seiner jährlich stattfindenden Party eingeladen, zu der man nur mit entsprechenden Tickets rein kam. Für mich immer die perfekte Gelegenheit, alte Kontakte zu pflegen und neue aufzumachen, denn New West ist eines der angesagtesten Labels in den USA überhaupt, und jeder, der irgendwie mit der Firma zu tun hat, lässt sich hier blicken. Und wie immer hat das Label ein schönes Musikprogramm zusammengestellt: Den Anfang machte um Punkt 13 Uhr BRENT BEST von Slobberbone. Die Band hat am letzten Wochenende ihre letzten Shows absolviert und sich nun aufgelöst. Brent Best arbeitet aber bereits an einem Soloalbum, das sicher bei New West erscheinen wird und somit auch bei uns. Einer der neuen Songs heißt "When I'm Tired", den ich auch mitgefilmt habe.
Danach ein weiterer alter Bekannter - STEPHEN BRUTON. Von ihm erscheint im Juni der Nachfolger zu Spirit World, und die neuen Songs, die er präsentierte, lassen ein weiteres großartiges Album versprechen. Zwei davon sind als Videos zu sehen (Video 1/Video 2).
Im 30-Minuten-Takt ging es weiter - TIM EASTON war als nächster dran. Er ist sicher einer der besten Songwriter überhaupt und wurde dementsprechend bejubelt.
Es war viertel vor 3, und ch musste "Bye Bye" sagen. Denn die nächste Party wartete bereits. Mein Fahrgast zu "Jovita's", wo alljährlich das Twangfest stattfindet, das immer populärer wird, war CINDY BULLENS, die sich für ein paar Tage in Austin aufhielt und mir voller Stolz ihr neues Album Dream #29 überreichte. Sauber verpackt im schönen Digipak. Als Erscheinungstermin haben wir den ca. 20. Mai festgehalten, und wer den Song "Jellico Highway" auf unserer neuesten Nuggets Vol. 12-Compilation kennt, der wird sicher mit mir einer Meinung sein, dass wir ein großartiges Album erwarten können.
Wie gesagt - bei "Jovita's" war die Hölle los - um 15 Uhr nicht gerade alltäglich. Der Mexikaner hat sich in den letzten Jahren zu einem der angesagtesten Anlaufstellen für sehr gutes Essen und beste Live-Musik gemausert. Das Gebäude wurde entsprechend renoviert, das Soundsystem aufgepeppt, so dass ein Hammersound aus den Lautsprechern drang. Schon am Eingang kamen wir ins Stocken, so voll war das Lokal - von den unzähligen Leuten im Hof ganz zu schweigen. Aber es hat mich keineswegs geärgert, dass der Andrang so groß war, denn auf der Bühne stand ein Blue Rose-Act: STEVE WYNN & THE MIRACLE 3 mit ihrem bereits 4. Auftritt in dieser Woche, nachdem sie zuvor um 12 Uhr im Secondhand-Record Store "Cheapo" gespielt hatten - vor einer für die Tageszeit ungewöhnlich großen Zuschauerkulisse.
Und Steve gab dem begeisterten Publikum, was es hören wollte: Songs aus den beiden letzten Alben Here Come The Miracles und Static Transmission, dazwischen eingestreut Dream Syndicate-Songs wie "Burn" oder "That's What You Always Say". Gitarrist Jason Victor spielte sich dermaßen in Rage, dass ich ihm nach dem Auftritt empfahl, doch etwas vorsichtiger zu sein, wenn er keinen Herzanfall riskieren wolle. Als Zugabe "The Days Of Wine And Roses", bei dem der proppenvolle Laden endgültig ausrastete. Was für ein fulminanter Auftritt! Besser geht's einfach nicht. Oder doch? Bei Steve und dieser Band ist alles möglich...
Die BOTTLE ROCKETS waren am Vortag nicht zu Eis erstarrt und Sänger Brian Henneman freute sich sichtlich, im T-Shirt auftreten zu können. 40 Minuten BROX-Rock vom allerbesten, wobei sie gleich mit meinem Lieblingssong "Indianapolis" loslegten, den ich euch auch als Video anbieten kann. Es ging weiter schnurstracks der Gitarrenrock-Spur entlang, der Sound dieser Band packt mich immer noch und wieder, und wenn alles gut geht, denn werden wir mit den Bottle Rockets am 17. Juli ihr einziges Deutschland-Konzert veranstalten. Daumen drücken! Natürlich habe ich von der Band noch weitere Songs mitgeschnitten, "Kit Kat Clock", "I Wanna Come Home" sowie "I'll Be Coming Around" und "1000 Dollar Cars" an einem Stück.
So, das war der Nachmittag. Kurze Pause, ehe wir uns den Abend-Ereignissen zuwenden...
Einen so richtig guten Plan hatte ich für diesen Abend eigentlich nicht. Also die beste Gelegenheit, einmal auf "Entdeckungsreise" zu gehen, genügend mir unbekannte Künstler gab es ja zuhauf. Also erstmal den ellenlangen Weg vom Hotel ins "Crowne Plaza Hotel" zurückgelegt und dort angekommen in den 18. Stock gefahren. KIM TAYLOR aus Cincinnati und ihre Band hatten bereits begonnen, aber das, was die Dame präsentierte, konnte mich gar nicht begeistern. Zu ruhig, zu langweilig kamen ihre Songs rüber. Allerdings muss man ihr zugute halten, dass es sicher keine Band schaffen wird, bei der Ambiete (Sitzreihen, Totenstille, nur wenige Besucher anwesend, die nach jedem Stück artig Applaus gaben) eine echte Stimmung zu erzeugen. Nach 15 Minuten bin ich aufgestanden und gegangen.
Zurück auf die 6. Straße ins "Bigby's", wo MAGNOLIA SUMMER (Bild links), eine junge Gitarrenrock-Band aus St. Louis, um 21 Uhr angekündigt waren. Die dann auch richtig gut waren, schöner Blue Rose-Gitarrensound. Wie beschreibt es Thomas Dewers von "Chill Music" treffend: "Die Musik kommt stimmungsvoll und abwechslungsreich im Einklang mit den verwandten Bands: melodisch-fliessender Gitarrenrock mit Country- und Pop-Elementen und herrlich-schmachtenden Balladen als ernste Alternative zu den Jayhawks." Genau.
Anschließend folgten MILTON MAPES (Bild rechts), ein Quintett aus Austin, das bereits vor 2 Jahren mit dem Album Westernaire aufhorchen ließ und soeben mit The Blacklight Trap ein neues Album veröffentlicht hat. Auch hier möchte ich "Chill Music" zitieren: "...wie ein gewaltiges, in epischer Breite angelegtes und in Musik transformiertes Südwestdrama mit einzelnen Kapiteln, die zwar auch separat für sich funktionieren, aber diesen sagenhaft nachhaltigen Eindruck erst in der Gesamtbetrachtung erzielen." Ein extremer Breitwandsound mit zum Teil 3 E-Gitarren erinnerte mich hier und da an die guten alten Rain Parade - gelungener Auftritt.
Wieder zurück auf die Straße ins "Friends", einem neuen Club. War früher mal das "Babe's On Sixth Street", und auf der Bühne standen REPUTATION, ein Quartett mit kleiner, unscheinbarer Frontfrau, die aber zumindest stimmlich mächtig auftrete. Pop-Rock-Punk, der mir absolut nichts sagte. Als dem Madel nach drei Songs die Gitarre kaputt ging, war für mich die Zeit gekommen zu gehen. Ich hatte für den heutigen Tag genug gesehen/gehört und ging zurück ins Hotel.
Verpasst: Chris Stamey, Ray Wylie Hubbard, Robert Earl Keen Band, Tony Joe White, Webb Wilder & The Nashvegans, Robert Plant and Strange Sensation, Mark Eitzel, Michelle Shocked, Stan Ridgway, Slaid Cleaves, Martha Wainwright, Ian Moore, Jake Brennan, John Doe, Clem Snide, Cowboy Mouth, Jeff Klein.
Mittwoch, 16.3.
Im Gegensatz den den vergangenen Jahren, wo das absolute T-Shirt-Wetter herrschte, ist in diesem Jahr warme Kleidung angesagt, zumindest bei den Showcases im Freien (was nicht selten vorkommt). Richtig frisch war es, als ich gegen halb Eins zum Irish Pub "Mother Egan's" ging (nur zwei Blocks vom Hotel entfernt). Die "Guitartown Party" war angesagt, die wie in jedem Jahr nur das Beste erwarten ließ. Ich bekam gerade noch den letzten Song von WALTER TRAGERT mit, einem knallharten Rocker und typischer Alt.Country/Americana-Mucke, wie wir sie lieben. Direkt hinterher habe ich mit ihm einen Deal abgemacht, und sein Album wird es in Kürze über unseren Downloadstore zu kaufen geben. Genau DAS "Futter", das unsere Kunden mögen.
Danach kam JEFF KLEIN aus Austin, der nicht nur äußerlich an Ryan Adams erinnert. Auch seine Songs sind von ähnlichem Strickmuster, wenn auch nicht vom gleichen Kaliber. Anschließend TWO COW GARAGE
mit wildem, lauten Cowpunk in bester Slobberbone-Manier. Das Album der Band ist in unserem Online-Shop erhältlich und für jeden Slobberbone- oder Drive-By Truckers-Fan eigentlich ein Pflichtkauf.
CHRIS STAMEY war danach an der Reihe, von dem ich aber so gut wie nichts bekommen habe. Mehr und mehr alte und neue Bekannte kamen in den Pub (oder vielmehr in den Hof des Pubs, in dem ein Zelt aufgebaut war) und verwandelten die Stunden in einen aufschlussreichen Nachmittag. So erzählte z.B. Mark Ortmann, Drummer der Bottle Rockets, dass die Band im Juli auf Europatour kommen würde, wobei für Deutschland allerdings noch keine Termine feststünden. Robert Maché von den Continental Drifters schlich sich von hinten an, und John Chipman von den Resentments war auch da. Kein Wunder, spielt er doch seit einiger Zeit "nebenbei" in JON DEE GRAHAMs Band mit. George Reiff am Bass vervollständigt das Trio, das einen fulminanten Auftritt hinlegte und bestätigte, das Jon Dee einer der besten Rock-Acts ist, die Austin derzeit zu bieten hat.
Den Song "Something To Look Forward To" habe ich als Video mitgeschnitten.
Nach einer dermaßen überzeugenden Auftritt hatten es die SILOS schwer, bewältigten die Aufgabe aber meisterhaft. Zu lange sind sie schon im Business und tourerprobt. Eine Steigerung war dennoch möglich, betraten doch STEVE WYNN & THE MIRACLE 3 zum zweiten Mal innerhalb von 24 Stunden die Bühne und ließen es krachen. Diesmal ohne einen neuen Song, dafür aber mit einer mörderischen Version von "Amphetamine". Danach musste ich die Segel streichen und STAN RIDGWAY und ED PETTERSON sausen lassen. Wie sonst sollte ich mein Tagebuch weiterführen können?
PAUSE...
Ich bin zurück! Einen sehr kurzweiligen Nachmittag hinter mehr, muss zunächst noch der Mittwochabend "verarbeitet" werden. Nachdem ich mich mit dicker Kleidung versorgt hatte (einige Shows sollten im Freien stattfinden, bei ca. 8 Grad keine unbedingte Freude), ging es zwei Blocks weiter ins "Momo's" zu TIM LEE. Tim Lee war Anfang der 80er Jahre Mitglied/Kopf/Sänger/Songwrtier der Windbreakers, einer der ersten New Folk/Americana Bands. Lee veröffentlichte in den letzten Jahren einige CDs, nachdem er lange Zeit von der Bildfläche verschwunden war. Als Backingband hatte er lauter junge Leute um sich rum, und die 40 Minuten seiner Zeit nutzte der Mann aus Nashville mit schnörkellosem Gitarrenrock á la Chris Knight und Konsorten. Bis auf ein Stück ausschließlich Uptempo-Rocker, die allesamt gut ins Blut gingen und nie Langeweile aufkam.
Anschließned den Weg zurück (wir reden hier von etwa 5 Minuten Gehzeit) ins "Fox And Hound" (ehemals "Waterloo Brewing") zu den DAMNATIONS. Die Band um die beiden Schwestern Deborah Kelly und Amy Boone haben mir schon seit vielen Jahren ausnehmend gut gefallen, mit einem Deal ist es leider nie etwas geworden. Würden auch perfekt auf Blue Rose passen - Alt.Country und schönen Harmoniegesängen, die unweigerlich an die Mamas & Papas oder Continental Drifters erinnern. Gelungener Auftritt und alle Achtung, dass sich die beiden Damen im Laufe des Auftritts trotz dem kalten Wetters ihrer Winterjacken entledigten.
Direkt anschließend wieder zwei Blocks weiter ins "La Zona Rosa", einem der größten Musiktempel der Stadt. Kalt, Beton, ohne jegliche Atmosphäre, dunkel, und proppenvoll. Die Frauenquote wurde nicht eingehalten, ich schätze mal, dass 90% der Besucher männlichen Geschlechts waren. Also war bestimmt Schweinerock angesagt. Mitnichten! Ein zartes Pflänzlein betrat um 23 Uhr die große Bühne, setzte sich ans Piano und legte los, mit einer 4 Mann-Band im Hintergrund. Wer als Mann bei TIFT MERRITT nicht schlechte (oder süße, jeweils von Standpunkt abhängig) Gedanken bekommt, dem ist nicht zu helfen. Ein blonder Engel, langes wehendes Haar, Mitte 20, Top Figur, enge Jeans und mit einer Bluse, dass einem die Spucke wegblieb. Irgendwie eine Mischung aus Lucinda Williams (stimmlich und musikalisch), Sheryl Crow (musikalisch) und Norma Jean Baker (stimmlich und optisch). Eine Vollblutmusikerin, die akustische und elektrische Gitarre, Piano oder Mundharmonika spielt, als wenn sie nie etwas anderes getan hätte. Mit einer Energie spielte sie Songs aus ihren beiden auf dem Lost Highway-Label erschienenen Alben Bramble Rose und Tambourine (das letztere ist auch über unseren Onlineshop erhältlich und wärmstens zu empfehlen), und in einer besseren Welt müsste sie eigentlich Millionen davon verkaufen. Da ist kein mittelmäßiger oder gar schlechter Song darunter, das sind alles Stücke, die sofort ins Ohr gehen und eine extrem lange Halbwertszeit haben.
Und der Blick kommt einfach nicht los von diesem Energiebündel, auch wenn Gitarrist Brad Rice (ex-Backsliders, zuletzt in Ryan Adams' Band auf Tour) mit seinem pechschwarzen Wuschelkopf ein interessanter Gegenpart war. Und nach dem Konzert konnte ich nicht anders - keine 3 Monate von meinem 50. Geburtstag entfernt: ich kaufte mir ein T-Shirt von dem Mädel, die in mir einen neuen Fan gewonnen hat. Hätte ich nicht ausdrücklich sagen müssen, oder? Tift Merritt - merkt euch den Namen, das wird noch eine ganz Große in diesem Geschäft!
Viertel vor Zwölf, der nächste "Termin" war erst um 1 Uhr. Da dieser wiederum im Freien stattfand, ging ich für eine halbe Stunde zurück ins Hotel, ehe es wieder raus in die ungewohnt und nicht erwartete Kälte von Austin ging, wo man zu der Jahreszeit üblicherweise in Shorts und T-Shirt herumläuft.
"Fox And Hound" war nochmals Anlaufstation, die BOTTLE ROCKETS aus Festus, Missouri spielten auf. Da kann kommen was will, bei den Bottle Rockets lasse ich alles links stehen und liegen. Sänger und Gitarrist Brian Henneman wie ein Strich in der Landschaft - nahm er doch innerhalb eines Jahres 25 Kilo ab. Und fühlt sich besser wie nie zuvor, wie er mir sagte. Und das Quartett war genau das richtige für dieses Wetter - bei dieser Rock'n'Roll-Show erster Güte vergisst man einfach Kälte, jammernde Beine oder aufkommende Müdigkeit. Bei Songs wie "1000 Dollar Cars" oder "I'll Be Coming Around" kann ein Rootsrock-Fan nur noch glückselig lächeln. Um viertel vor 2 Uhr war Schluss, Zeit für die Heia.
Verpasst: Rodney Crowell, Kacy Crowley, Tim Easton, Susan Cowsill, Elvis Costello, Walter Tragert, Vic Chesnutt, Billy Idol, Willard Grant Conspiracy, Richmond Fontaine, American Music Club.
Dienstag, 15.3.
Vielen unter euch werden die Kürzel SXSW nichts sagen, auch dann nicht, wenn es ausgeschrieben "South-By Southwest" heißt. Wie bereits einführend erklärt, handelt es sich dabei um ein mehrtägiges Musikfestival, das in jedem Jahr zur gleichen Zeit, also Mitte März, stattfindet. Die Anfänge dieses Festivals, das schon seit einigen Jahren um die Themen "Film" und "Internet" erweitert wurde, gehen zurück bis Ende der 80er Jahre, als einige schlaue Köpfe auf die Idee kamen, etwas Leben in die Bude, sprich Austin, zu bringen. Mitte März gibt es in den USA "Spring Break" und alles, was irgendwie lernt, hat für eine Woche Ferien. Und in den Städten ist für genau in dieser Woche nichts los. Für eine Musikstadt wie Austin, wo Live-Musik pulsiert wie sonst nirgends in den Staaten, ein Debakel. Also versuchte man, irgendwie Leute in die Stadt zu holen. Und erfand SXSW. Das Ding wurde zum Selbstläufer, und im Laufe der Jahre schlossen sich immer mehr Clubs dem SXSW-Verbund an, was bedeutete, dass immer mehr Künstler und Bands auftreten konnten. Heute buhlen ca. 40 Clubs um die Besucher und ca. 1.300 Künstler werden in den 4 Tagen im Stundentakt von 20 Uhr bis 1 Uhr durchgeschleust. Jeder Auftritt dauert ca. 40 Minuten, dann muss innerhalb von 20 Minuten der Wechsel vollzogen sein. Das klappt wie am Schnürchen, kann ich euch sagen. Da gibt es keinen Soundcheck, da wird kurz getestet, ob die Gitarren und der Gesang über die Anlage kommen, und schon geht es los. Die Clubs liegen zum Großteil eng beieinander, so dass man bei geschickter Planung ganz schön rumkommt, bis ein Abend vorbei ist. Und man sollte versuchen, wenn möglich nach einem Sitzplatz Ausschau zu halten, denn nach 4 Tagen SXSW tun einem verdammt die Beine weh. Deshalb gehe ich heute Abend auch rechtzeitig ins "Hole In The Wall", denn ich möchte auf keinen Fall von 9 bis 2 Uhr einen Stehplatz haben.
Demnächst mehr vom "Swollen Circus" (so heißt der Abend im "Hole In The Wall").
Einige Stunden später...
Bereits zum zehnten Mal veranstalten Walter Salas-Humara (von den Silos) und Michael Hall den "Swollen Circus", bis auf eine Ausnahme im Club "Hole In The Wall". Der "Swollen Circus" ist nichts anderes als ein Abend voller Musik, wo sich innerhalb von 5 Stunden die Künstler im 3 Song-Takt abwechseln. Es ist unglaublich und für Neulinge immer wieder faszinierend, wie schnell die eine Band nach ihrem Auftritt von der Bühne verschwindet und ihre Instrumente einsammelt und auch gleich die nächste die Bühne betritt. Die nicht besonders groß ist.
Auch diesmal haben die beiden Organisatoren wieder ein buntes Programm zusammengestellt. Los ging es Punkt 21 Uhr mit JON NOLAN, vormals Gitarrist bei Say ZuZu. Jon hat mir vor seinem Auftritt ein Exemplar seines ersten Soloalbums in die Hand gedrückt, und die drei Songs (bei einem wurde er von Marlee McLeod begleitet) kamen beim Publikum sehr gut an. Den Song "Hope, AR" könnt ihr euch per Video zu Gemüte führen. Es folgten HITCH-HYKE, die simplen Gitarrenrock machen, wobei der zweite Song durch den Einsatz einer Trompete (?) doch sehr aus dem Rahmen fiel. Direkt hinterher MICHELLE ANTONY,
eine adrette Singer/Songwriterin aus Milwaukee, Wisconsin, die Bass spielte und von einer kompletten Band begleitet wurde. Ebenfalls guter, schnörkelloser Rock. Dann wurde es richtig anders, was bei dem Bandnamen eigentlich auch zu erwarten war: SPOTTISWOODE & HIS ENEMIES machten - ja was eigentlich?
Sieben Mann (äh, 6 Mann und 1 Frau) zwängten sich auf die kleine Bühne. Meine Vorahnung bestätigte sich, als ich die Instrumente der rechts stehenden Musiker sah: Saxophon und Trompete. Das war keine Rockmusik, das war schon eher Rockoper-mäßig, wobei der Sänger ein absoluter Frontmann ist, sich allerdings etwas zu sehr selbst darstellen wollte, obwohl die vertrackten Songs richtig gut waren.
Wenn nur nicht die Bläser gewesen wären. Teilweise erinnerte mich das an "Tommy" von den Who, als Tommy in das Holiday Camp eingezogen ist. Na ja, oder so ähnlich.
Danach MICHAEL HALL & THE WOODPECKERS, die wie gewohnt rockten wie Hölle. "America" und "Angel" sind mir in Erinnerung geblieben, das erstgenannte gibt es als Video. Sofort anschließend THE SILOS, die erst 2 Tage zuvor von ihrer Europatour zurückgekehrt waren. Hier kann ich "Take A Hit" vom aktuellen Album When The Telephone Rings als Video abieten. MARLEE MCLEOD habe ich nicht mitbekommen, da ich zwischendurch immer wieder mal Konversation mit Bekannten und Unbekannten treiben musste.
So, jetzt muss ich kurz unterbrechen - Frühstück wartet. Zuvor jedoch noch ein Video von STEVE WYNN & THE MIRACLE 3,
die als nächstes an der Reihe waren und einen neuen Song präsentierten, der als Video anzusehen ist: "Bruises".
So, da bin ich wieder. Sind bereits wieder 8 Stunden vergangen, und der Nachmittag war durchweg gelungen. Doch zunächst muss ich nochmals rückblenden zum "Hole In The Wall"-Event. Wo waren wir stehengeblieben? STEVE WYNN, richtig. Man sieht ihm an, wie hungrig er ist, nach einer für ihn ungewöhnlich langen Pause endlich wieder loslegen zu können. Wie ein Raubtier, das endlich aus dem Käfig entspringen kann. Und der Abend gehörte zweifellos ihm - die Band legte los mit "Death Valley Rain" und ging mit einer tierischen Version von "The Days Of Wine And Roses" auch schon wieder von der Bühne. Sollte allerdings nichts das letzte Mal gewesen sein, dass Steve Wynn einen Showcase hatte. Dazu später mehr.
Wer kam danach? Ich glaube STAN RIDGWAY.
Was mir in Erinnerung blieb waren die beiden Worte, die er in jedem Satz mindestens zweimal fallen ließ, und zwar "fucking" und "asshole". Und dennoch - der Auftritt war sehenswert. Er an der Akustischen, eine Dame an den Keyboards und ein Bassist. Und überrumpelte Michael Hall, indem er einen 4. Song spielte. Kann sich wohl nur ein Stan Ridgway erlauben. Anschließend LAST TRAIN HOME, von denen ich nur am Rande etwas mitbekommen habe, da ich in Gespräche mit Steve Wynn und seiner Band vertieft war. Klang aber richtig gut. Als Abschluss HIGH STRUNG, die zwanzig vor 2 die Bühne betraten und schon allein durch ihr Outfit auffielen: Weiße Overalls mit Sternen sowohl an den Hemdärmeln als auch an den Hosenbeinen. Musik eine Punk-Pop-Rock-Mischung, die ich spontan als "Rubettes auf Speed" einstufte. Nicht mein Ding, dafür durften sie auch 5 Songs spielen. Bei 2:30-Minuten-Stücken war der Set dennoch nicht länger als bei den anderen Bands.
Schön wars auf jeden Fall, für mich eine der besten "Swollen Circus"-Veranstaltungen bisher.