Im März 1995 war der inoffizielle Startschuss für Blue Rose. Wir waren erstmals in Austin, Texas, um beim South-By-Southwest-Festvial, kurz SXSW genannt, nach Bands für das zukünftige Roots-Label zu suchen. So blauäugig wie wir damals waren konnte es eigentlich nur funktionieren. Dabei hatten wir noch nicht einmal einen Namen für das zukünftige Rootsrock-Label, und von den meisten wurden wir nur milde belächelt - wenn überhaupt beachtet. Die Geschichte zeigt, was letztlich daraus wurde.
Zum 12. Mal gehts nun also rüber auf Entdeckungsreise, Labels treffen, Manager, Künstler, das heißt von morgens 9 Uhr bis morgens um 3 Uhr auf den Beinen sein.

SXSW - das heißt auch ca 1.400 (!) Künstler/Bands in ca. 60 Clubs an 4 Tagen, darunter so ziemlich alles, was in unserem Metier Rang und Namen hat. Unser Notizblatt umfasst derzeit schon wieder so viele Namen, dass wir bereits jetzt weiß, dass nicht alle zu schaffen sein werden. Das Hauptaugenmerk liegt natürlich auf unseren Künstlern: Jon Dee Graham, Susan Cowsill, Tim Easton, Drive-By Truckers, Kris Kristofferson, den Bottle Rockets, den Resentments, Steve Wynn oder den Silos.

Ihr könnt auch diesmal wieder dabei sein - sofern ihr einen PC und Internet-Zugang habt. Ich habe mir nämlich vorgenommen, von den Highlights tagtäglich zu berichten, was so abgeht in den SXSW-Tagen. Der Laptop ist mit den notwendigen Programmen gefüttert, per Digitalkamera werden wir auch Fotos liefern können, außerdem werde ich versuchen, wenn möglich Videos mitzuschneiden und alles schnellstmöglich "upzuloaden", wie das jetzt wohl heißt. Also Daumen drücken, dass alles so funktioniert, wie ich mir das vorgestellt habe. Ab 12. März gehts los, ein Besuch unserer Website lohnt sich also mehr denn je.

Habe ich euch bereits heiß gemacht? Gut, dann steigt mit mir ein in das Abenteuer SXSW 2006. Es wird sich lohnen. Auch für euch!


Schöne Grüße,
Edgar Heckmann



Sonntag, 19.3.

Der Tag wurde zum "Chill Out" - die letzten Tage hatten doch ihre Spuren hinterlassen. Am Nachmittag ist die "Heilbronner Gruppe" nach Gruene gefahren, um die Band Nickel Creek in der berühmten "Gruene Hall", der ältesten Tanzhalle von Texas, einem urigen und oberkultigen Holzbau, live zu erleben. Allerdings war die Show ausverkauft. Wir ließen uns die gute Stimmung dennoch noch vermiesen und gingen direkt nebenan in einem riesengroßen und nicht minder kultigen Restaurant essen.

Zurück in Austin, kam noch die "Stuttgarter Gruppe" zu uns, um die "Shiner Bock"-Restbestände zu vernichten. Und kamen dabei auf die glorreiche Idee, wie vor 2 Jahren die Tops und Flops dieser SXSW-Woche niederzuschreiben. Was nachfolgend so aussieht:

TOP 3 Shows Flop Entdeckung All Time
Favorite Show
Best Club Worst Club Best Restaurant
Jürgen 1. Pieta Brown
2. Old Crow Medicine Show
3. Adrienne Young
Peter Case Tim O'Reagan Kris Kristofferson Momo's Soho Lounge Whole Foods
Manfred 1. Pieta Brown
2. Kris Kristofferson
3. Old Crow Medicine Show
Peter Case South Austin Jug Band Scott Miller Habana Calle Soho Lounge Whole Foods
Didi 1. Two Gallants
2. James McMurtry
3. Trail Of Dead
- Arctic Monkeys Garland Jeffreys Parish Soho Lounge Whole Foods
Nepp 1. James McMurtry
2. Romi Mayes
3. Allen's Oldie Band
Merz Romi Mayes Resentments Drink Bar Austin Hut's Burger
BeeGee 1. James McMurtry
2. Calvin Russell
3. Ray Bonneville
Chris Colepaugh Two Gallants Resentments Parish Eternal Curras
Thomas 1. Eliza Gilkyson
2. James McMurtry
3. Romi Mayes
Chris Colepaugh Ropmi Mayes James McMurtry Antone's Eternal Hut's Burger
Buffalo 1. Kris Kristofferson
2. Guy Forsyth
3. Drive-By Truckers (Acoustic)
Chris Colepaugh Hayes Carll Resentments Bourbon Rocks Bar Austin Oasis
Doro 1. Kris Kristofferson
2. South Austin Jug Band
3. Adrienne Young
Peter Case Willie Nile Kris Kristofferson Town Lake Stage Soho Lounge Whole Foods
Hinki 1. James McMurtry
2. Pieta Brown
3. I See Hawks In LA
Peter Case Mudville Project Tony Joe White BD Rileys Soho Lounge Grillmist Gruene
Uwe 1. Matt Mays & El Torpedo
2. James McMurtry
3. Tift Merritt
Peter Case Leeroy Stagger James McMurtry Hole In The Wall EMC Opal Divine
Wolfgang 1. Tres Chicas
2. Marah
3. Neko Case
IV Thieves Moaners Ryan Adams Antone's Blender Bar Whole Foods
Volker 1. Kris Kristofferson
2. James McMurtry
3. Little Willies
Dayna Kurtz Little Willies Resentments Parish Speakeasy Gueros
Edgar 1. James McMurtry
2. Tift Merritt
3. Matt Mays & El Torpedo
Peter Case Wrinkle Neck Mules Ryan Adams Jovita's Soho Lounge Curras




Samstag, 20.3.

Obwohl unser Hotel zentral liegt wie kaum ein anderes, kommen doch so einige Kilometer zusammen, die man im Laufe eines Tages zurück legt. Da kommt es dann schon entgegen, dass man für weitere Strecken das Mietauto benutzen kann. Wie zu einem der besten Clubs der Stadt, dem "Continental Club", wo alljährlich Samstag nachmittags Mojo Nixon zu seiner Party einlädt, der allerletzten, wie er auf Postern bekannt gibt. Wir werden sehen...

Noch nie in 10 Jahren SXSW bin ich um 12 Uhr so weggeblasen worden wie beim Auftritt von JAMES McMURTRY & THE HEARTLESS BASTARDS. Kraftvolle Gitarren, die er nach fast jedem Song wechselte. Es werden wohl 5 verschiedene gewesen sein, die er in den 45 Minuten spielte. Als Trio auf der Bühne, klang das Ganze dank seiner unglaublichen Fingerfertigkeit wie ein Quartett mit 2 E-Gitarren. Das hatte Druck ohnegleichen, tolle Songs, klasse Gitarrensoli - grandios. Er machte Werbung für sein neues Live-Album, das übrigens auch wir in unserem Mailordershop anbieten. Wer hören will, wie Gitarrenrock heute klingen muss, der sollte sich dieses Teil zulegen. Wir jedenfalls waren total begeistert - wenn der Tag so beginnt, was kann da noch kommen? Es kam noch einiges, das sei schon jetzt gesagt.

Anschließend auf die andere Straßenseite in die "Yard Dog Gallery", wo das US-Magazin "Harp" eine Party veranstaltete. Bier, mexikanisches Essen, und das alles umsonst. Bei mir blieb es beim Essen, musste ja noch Auto fahren. Viele Bekannte getroffen - Susan Cowsill und Russ Broussard, Mark Ortmann von den Bottle Rockets, zahlreiche Agenten, die alle die neuesten, unzähligen Megawerke ihrer betreuten Künstler an den Mann/die Frau bringen wollen. Wer soll das alles bloß kaufen?

Zurück zum Hotel und zu Fuß ins "Four Seasons", um Todd Thibauds Manager zu treffen. Frohe Kunde: Todd hat endlich ein neues Album in der Mache, das wir im August oder September veröffentlichen werden. Es soll in die Richtung von "Favorite Waste Of Time" gehen. Na, da haben wir ja überhaupt nichts gegen einzuwenden.

Heinz Geissler, Alejandro Escovedos Manager, hat in den letzten Monaten ein Projekt gestartet, das seinesgleichen sucht. In den ganzen USA telefonierte er herum, um Musiker zu finden, die einen Beitrag für ein Album leisten, das Escovedo, der an Hepatitis C leidet, aber nicht krankenversichert ist, finanziell helfen soll. Und die Reaktionen sind unglaublich: Zugesagt bzw. bereits einen Song "abgeliefert" haben John Cale, Caitlin Cary, Cowboy Junkies, Ian Hunter, The Jayhawks, Ian McLagan, Jennifer Warnes, Whiskeytown, Calexico, Peter Case, Jay Farrar oder Lucinda Williams, um nur einige zu nennen.

Für diesen Samstagnachmittag hat er eine kleine Party im "Las Manitas" organisiert, um das Tribute-Album, das am 13. Juli erscheinen wird, zu feiern. Neben zahlreichen Musikern wie John Cale, Chris Stamey, Rosie Flores, den Los Lonely Boys (die derzeit bei weitem angesagteste Band in Austin und um Austin herum - haben bei den Austin Music Awards vor ein paar Tagen die wichtigsten Preise abgesahnt wie "Band of the Year", "Album of the Year", "Song of the Year" oder "Best Rock Act"), Jon Langford und Sally Timms ließen sich auch Legenden wie Kris Kristofferson und Joan Baez (auf unserem Foto zusammen mit Stephen Bruton) nicht nehmen, für das Album Werbung zu machen.

Es ging direkt weiter mit den Abend-Showcases. Dualtone Records hatte für seine Acts das "Hole in the Wall" gebucht, und JEFF BLACK durfte den Abend eröffnen. Leider mit fast halbstündiger Verspätung, was erstens an seiner Zeit gekappt wurde und zweitens auch ich mit meinem Zeitplan durcheinander kam. Natürlich blieb ich bis zum Schluß und hörte mir die eindringlichen Songs, nur von der akustischen Gitarre begleitet, an. Für uns spielte er das Stück "Rain" aus dem Album Honey And Salt, hier als Video vorliegend.

Dann schräg gegenüber ins "Cactus Cafe", mitten im Universitätsgebäude gelegen. KEVN KINNEY - viele dürften ihn noch aus der Zeit mit der Band Drivin'n'Cryin' kennen - mit 3 Musikern an akustischen Klampfen, Bass und Drums - begeisterte die Zuhörer mit seiner rauhen, näselnden Stimme und großartigen Songs.

Mit dem Auto zurück in die Innenstadt. Beim Hotel geparkt und ohne Pause weiter zu den HONEYDOGS im "Cedar Creek Courtyard". Gingen die ersten Alben der Band noch voll in die Richtung Jayhawks, so waren sie live nicht mehr wiederzuerkennen. Keyboardlastig bis zum Geht nicht mehr mit poppigen, belanglosen Songs sind sie heute - eine große Enttäuschng. Abgehakt - weiter zum "Mother Egan's Irish Pub", erst mal ein gutes Guinness geordert und auf JEFF KLEIN gewartet. Der spielte dann auch 30 Minuten lang - 10 Minuten weniger als ihm zustanden - einen knackigen Rock im Stile von Matthew Ryan oder Ryan Adams, und auch visuell erinnerte er nicht wenig an den letztgenannten.

Wiederum über die Straße ins "Opal Divine", wo die Nacht ausklingen sollte. Es war kurz vor Mitternacht, und die DAMNATIONS waren die nächsten auf der Liste. Der Stil dieser Band hat sich vom Alt. Country doch etwas mehr in Pop-Richtung verschoben, mehr Keyboards wurden zum Sound hinzugefügt, was sich aber in diesem Fall nicht negativ auswirkte. Immer noch eine interessante Band, die zur Zeit an einem neuem Album arbeitet, wie mir Sängerin Deborah nach dem Auftritt verriet.

Könnte der Tag besser enden als mit einem Auftritt der BOTTLE ROCKETS? Das Quartett aus Festus, Missouri legte kurz nach 1 Uhr mit Volldampf los und spielte sich durch ihre bisher erschienenen Alben, wobei Songs wie "1000 Dollar Car", "Kit Kat Clock" oder vor allem "Indianapolis" das volle Zelt in eine super Stimmung versetzten. Die neben den Klassikern eingestreuten Songs vom neuen Album "Blue Sky" kommen live übrigens bei weitem besser rüber als auf Konserve. Nach einer knappen Stunde war Schluss, und traurig, eine so granatenstarke Band nicht mehr auf dem Label zu haben, ging es zurück ins Hotel. Die strapazierten Füße bekamen ihre wohlverdiente Ruhe.





Sonntag, 20.3.

Es war so gut wie überstanden. Der Sonntag wird zum allgemeinen Erholen und verpasstem Shopping genutzt - Die USA kennen ja keine Ladenschlusszeiten. Abends als traditionellen Abschluss in den "Saxon Pub" zu den RESENTMENTS, die in ihrem wie immer unterhaltsamen Set auch einige Songs von ihrem im Mai erscheinenden Album vorstellten. Direkt anschließend WALTER TRAGERT mit einem 60 Minuten-Set, Scrappy Jud Newcomb wechselte kurzerhand von der akustischen zur elektrischen Gitarre und machte mächtig Dampf. Von dem Stück "Clear To Me" haben ich nochmals ein Video gemacht.

Dann reichte es - am nächsten Morgen musste ich um halb Neun zum Flughafen und den Heimflug antreten.



Samstag, 19.3.

Für die Biertrinker und speziell Austin-Reisende unter euch: dass wir als Deutsche das Shiner Bock am liebsten konsumieren, steht wohl außer Frage. Shiner hat seine "Produktpalette" nun um das "Shiner Blonde" erweitert, also kein dunkles, sondern ein helles Bier. Schmeckt auch sehr gut, nur ob das Flaschenetikett eine gute Wahl war - eine Blondine auf einer Schaukel schwingend?

Doch ich schweife vom Thema ab. Musikalisch war der heutige Samstag ziemlich gespickt mit guten Sachen, die man alle gar nicht mitnehmen kann. Am frühen Nachmittag fuhr ich zur 17. Straße hinauf zum einem Irish Pub, wo ich noch nie zuvor war: "Dog and Duck" heißt er und hat auch ein abwechslungsreches Nachmittagsprogramm zusammengestellt. SUSAN COWSILL spielte mit ihrer Band ca. 30 Minuten und kam bei dem zahlreich erschienenen Publikum super an. Den Titelsong ihres Albums haben wir als Video mitgeschnitten.
Danach fuhr ich auf die Congress Avenue und machte Stipvisiten im Hinterhof der Yard Dog Gallery, wo das Musikmagazin "Harp" bei Freibier und -essen eine Party gab. Kurz hinüber in den Continental Club zu Mojo Nixons jährlich stattfindender Party. War allerdings so voll, dass keiner rein kam, also wollte ich wieder über die Straße zu "Gueros", wo ebenfalls im Freien die Musik spielte. Doch da setzte plötzlich ein Wolkenbruch ein, wie er nur in Austin verkommt. Was da innerhalb von einer halben Stunde an Wasser den Himmel herunterfiel, das war schon unglaublich. Ich konnte mich gerade noch ins Auto "retten". Entschied mich dann, ins Hotel zu fahren, obwohl ich gerne noch STEVE WYNN bei seinem 7. und letzten Auftritt in 4 Tagen SXSW gesehen hätte.

Der Abend begann um 19 Uhr im "Oslo", einer Bar, direkt schräg gegenüber vom Hotel. Das US-Management von CINDY BULLENS hatte zu einem Nicht-SXSW-Showcase geladen. Cindy hatte als "Verstärkung" einen jungen Bassisten sowie ihre Tochter Reed dabei und stellte ausschießlich Songs aus ihrem im Mai erscheinenden Album Dream #29 vor. Ich habe einige Songs videotechnisch mitgeschnitten und online gestellt: "Box Of Broken Hearts", "Oriental Silk", "Jellico Highway" und "Dream #29".

Kurz vor 8 weiter zu "Momos", wo eine "kanadische" Nacht angesagt war. Der Laden für die Uhrzeit überraschend voll, APOSTLE OF HUSTLE hatten bereits begonnen. War allerdings überhaupt nicht mein Fall, komische Songaufbauten, keine erkennbaren Melodien, Hooklines oder griffige Gitarrenparts. Die Leute schienen aber wohl hauptsächlich wegen dieser Band gekommen zu sein (Gitarrist Andrew Whiteman spielte früher in der angesagten Band Broken Social Scene), nach Ende des Auftritts verließen die meisten Besucher den Club. Auch gut, so konnte ich mich nach vorne in die erste Reihe stellen. Auf MATT MAYS & EL TORPEDO aus Dartmouth war ich gespannt, von denen hatte ich mal eine CD mit 4 Songs erhalten, die sehr gut waren. Live waren sie mit Sicherheit die bisher lauteste Band bei SXSW und gehören sicher in die TOP 5 meiner lautesten Konzerte überhaupt. Das verminderte das Hörvergnügen doch etwas, die Songs waren nämich ohne Ausnahme hervorragend. Dicke Gitarrenwände (teilweise 3 E-Gitarren), 4-stimmiger Gesang und mit Matt Mays ein perfekter Frontmann. Das war Georgia Satellites-meets-Rich Hopkins-meets-Driveway - laut aber gut.

Zurück auf die 6. Straße in die "Soho Lounge" zu den GRIP WEEDS. Von denen war mir schon vor x Jahren eine CD angeboten worden, die ich aus irgtendwelchen Gründen dann doch nicht gemacht habe. Die Band gibt es also immer noch und macht wie damals auf 60s Pop Rock und klingt teilweise wie die Byrds, nur härter und "zeitgemäßiger". Beispielhaft für den gelungenen Auftritt: als letzten Song spielten sie "Shakin' All Over" und kopierten den Song originalgetreu von The Who auf deren Live At Leeds-Album.

Danach schräg gegenüber ins "B.D. Riley's", einem eigentlich ganz guten Pub, wenn nur die Bühne nicht wäre, die von einem Holzgeländer umrandet wird und die Band eingepfercht spielen muss und sich kaum bewegen kann. Es spielten SAN SABA COUNTY - keine Ahnung, wer das ist. Wollte eigentlich nur mal kurz reinschauen und blieb dann hängen, da bereits 3/4 von Slobberbone da waren sowie Mitglieder von TWO COW GARAGE. BRENT BEST von Slobberbone (die sich jetzt endgültig aufgellöst haben) erzählte von seinen Projekten, die viel versprechen lassen. Was sein großartiger Auftritt um Mitternacht nachhaltig bestätigte. Er wurde von einer 4-köpfigen Band unterstützt, darunter seine Ex-Kollegen Jess Barr an der Gitarre sowie Tony Harper an den Drums. Brent stellte ausschließlich neue Songs vor, und wer bisher traurig ob der Auflösung von Slobberbone war, den kann ich beruhigen: der Mann ist noch nicht am Ende seines Weges angekommen. Der Sound ist nicht mehr so Cowpunk-lastig wie bei Slobberbone, die Songs sind melodischer, weicher und werden durch den Einsatz von Keyboards zusätzlich in ein neues Arrangement verpackt. Absolut gelungen, nachdem die Band vorher nur dreimal geprobt hatte.

Hinterher noch ca. 20 Minuten von PAUL K & THE WEATHERMEN mitgenommen. Gut guter Country Rock, aber mir reichte es für heute. Genug gesehen/gehört.

Verpasst: Chip Taylor & Carrie Rodriguez, Sarah Lee Guthrie & Johnny Irion, Buddy Miller, Nashville Pussy, Johnny Dowd, Backyard Babies, Ben Lee, Chris Brokaw, Dash Rip Rock, Knife In The Water, Charlie Sexton, Jimmy LaFave, Bobby Bare Jr., Waco Brothers, Jesse Sykes, John Butler Trio, Wallflowers, Son Volt, Aimee Mann, Dwight Twilley.



Freitag, 18.3.

Der musikalische Teil des Tages begann erst um 18 Uhr mit dem Auftritt von ALEJANDRO ESCOVEDO bei den Auditorium Shores", einer riesigen Wiese direkt am Fluss gelegen. Es geht ihm gesundheitlich nicht schlecht, wie mir sein Manager Heinz Geissler sagte. Er sieht auch richtig gut aus, wobei eine Hepatitis C-Behandlung nicht von heute auf morgen abgehakt werden kann. Für den Auftritt hat er mächtige Geschütze aufgefahren - 9 Musiker standen auf der Bühne, darunter JON DEE GRAHAM und MARK ANDES (Spirit, Firefall), den einige von euch auch von der Iain Matthews-Tour von 1999 (?) kennen. Keyboards, zwei Chello, Geige, Drums, E-Gitarre, Lap Steel, Bass sowie Alejandro abwechselnd akustisch und elektrisch - Wall of Sound schlechthin, die Setliste eine Mischung aus Escovedos langer Karriere. Sogar einen True Believers-Song ("Losing Your Touch") ließ er nicht aus - klar, wenn sein ehemaliger Bandkollege Jon Dee Graham mit auf der Bühne stand. Für die ersten beiden Songs kam auch noch JOHN CALE auf die Bühne. Überraschung gelungen!

Für 20 Uhr war IAN HUNTER angekündigt, den ich allerdings nicht mehr mitbekam, denn ich musste einen weiten Fußmarsch ins "Tambaleo" zurücklegen, wo ich den kompletten Abend verbringen wollte. Das "No Depression"-Magazin hatte dort seinen Showcase, und das Line-Up konnte sich mehr als sehen lassen. Punkt 20 Uhr begann JIM BRYSON aus Kanada. Perfekter Start in einem langen Abend, wiederum 100% Blue Rose-tauglicher Gitarrenrock mit klasse Songs. Sofort hinterher einen Kontakt hergestellt. Wer bei der letzten Oh Susanna-Tour war, der kennt den Singer/Songwriter bereits. Da werde ich mal dran bleiben. Ganz großartig.

Dann wurde der Club rappelvoll. ROBBIE FULKS war als nächster dran. Ziemlich country-lastig war der Auftritt des langen Kerls, aber das gefällt ja vielen Amerikanern... Mir nicht allzu sehr, und auch die nächste Band auf der Liste, CAITLIN CARY & THOD COCKRELL, schlug in die gleiche Kerbe. Schade auch, dass die Bühne so niedrig war, so dass nur die vorderen Reihen etwas von den Musikern sahen, der Rest musste sich mit der Musik zufrieden geben. Ging das bei Robbie Fulks noch gut, so konnte man sowohl von CARY als auch COCKRELL nur noch die Haarspitzen erkennen.

Jim Bryson betrat um 23 Uhr zum zweiten Mal die Bühne, wenn auch "nur" als Keyboardspieler in der Band von KATHLEEN EDWARDS, ebenfalls Kanadierin. Sie ist ja derzeit der Geheimtipp schlechthin und wird sehr hoch gehandelt. Was berechtigt ist - tolle Songs, mächtige Power, kräftiger Gitarrenrock und wesentlich härter rübergebracht als von Sheryl Crow und Konsorten. Die sympathische Songwriterin wird ja derzeit in unserer Mailorder-Abteilung mit ihren beiden CDs Back To Me und Failer besonders herausgestellt, und ich kann jedem nur empfehlen, die Kanadierin anzutesten. Garantiert kein Fehlkauf!

JON DEE GRAHAM mit seiner Band (Michael Hartwick - Gitarre, George Reiff - Bass und John Chipman - Drums) begannen kurz nach Mitternacht und legten einmal mehr einen tierischen Set hin, wobei mir auffiel, dass ich Jon Dee niemals zuvor ohne Hut spielen gesehen hatte. Dafür aber im schwarzen Anzug, den er aus Zeitmangel nach dem Escovedo-Auftritt wohl nicht mehr wechseln konnte. So ist es halt in Austin, wenn man ein gefragter Musiker ist.

Den Abschluss bildeten STEVE WYNN & THE MIRACLE 3, die in dieser SXSW-Woche sicher die meistbeschäftigte Truppe war. Im "Austin Chronicle" wurden sie nach ihrem Auftritt bei "Jovita's" zum "best rock act in Austin" gekrönt, was der Set im "Tambaleo" nur bestätigte. Von Anfang bis zum Ende war Volldampf angesagt, Schlagzeugerin Linda Pitmon kam ganz kräftig ins Schwitzen. Aber sie wird wohl bereits im Hinterkopf gehabt haben, dass sie am nächsten Morgen nach Spanien fliegt. Nicht etwa, um dort Urlaub zu machen, sondern um ein neues Studioalbum mit Golden Smog aufzunehmen. Linda ist nämlich neues offizielles Mitglied dieser All Star-Truppe um Jeff Tweedy (Wilco) und Gary Louris (Jayhawks). Sie hat es verdient. Unglaublich, mit welcher Energie sie ihre "Schießbude" bearbeitet.

Um 2 Uhr wurden wir sanft aber bestimmt vom Clubpersonal hinausgewiesen. Sperrstunde? Es reichte auch. Außerdem meldeten sich die leidgeplagten Beine...


Verpasst: Calexico, Blind Boys Of Alabama, Dan Israel, Robyn Hitchcock, Ian McLagan, Two Cow Garage, Jon Langford & the Sexy, Wreckless Eric, New Model Army, Mike Peters/The Alarm, John Cale, Trish Murphy, Caroline Herring, Centro-matic, Jud Newcomb, Todd Snider, Burrito Deluxe, Tom Freund, The Silos, Kevn Kinney, Ian Hunter.



Donnerstag, 17.3.

Austin und seine Wetter-Kapriolen, ein Fall für sich: Ein Blick aus dem Fenster - strahlendblauer Himmel. Die Sonne schien, als wenn sie sich nie zurückgezogen gehabt hätte. Locker über 20 Grad sollten wir an diesem Donnerstag haben, was auch ein gutes Timing war, denn unser US-Labelpartner New West Records hatte zu seiner jährlich stattfindenden Party eingeladen, zu der man nur mit entsprechenden Tickets rein kam. Für mich immer die perfekte Gelegenheit, alte Kontakte zu pflegen und neue aufzumachen, denn New West ist eines der angesagtesten Labels in den USA überhaupt, und jeder, der irgendwie mit der Firma zu tun hat, lässt sich hier blicken. Und wie immer hat das Label ein schönes Musikprogramm zusammengestellt: Den Anfang machte um Punkt 13 Uhr BRENT BEST von Slobberbone. Die Band hat am letzten Wochenende ihre letzten Shows absolviert und sich nun aufgelöst. Brent Best arbeitet aber bereits an einem Soloalbum, das sicher bei New West erscheinen wird und somit auch bei uns. Einer der neuen Songs heißt "When I'm Tired", den ich auch mitgefilmt habe.

Danach ein weiterer alter Bekannter - STEPHEN BRUTON. Von ihm erscheint im Juni der Nachfolger zu Spirit World, und die neuen Songs, die er präsentierte, lassen ein weiteres großartiges Album versprechen. Zwei davon sind als Videos zu sehen (Video 1/Video 2).
Im 30-Minuten-Takt ging es weiter - TIM EASTON war als nächster dran. Er ist sicher einer der besten Songwriter überhaupt und wurde dementsprechend bejubelt.

Es war viertel vor 3, und ch musste "Bye Bye" sagen. Denn die nächste Party wartete bereits. Mein Fahrgast zu "Jovita's", wo alljährlich das Twangfest stattfindet, das immer populärer wird, war CINDY BULLENS, die sich für ein paar Tage in Austin aufhielt und mir voller Stolz ihr neues Album Dream #29 überreichte. Sauber verpackt im schönen Digipak. Als Erscheinungstermin haben wir den ca. 20. Mai festgehalten, und wer den Song "Jellico Highway" auf unserer neuesten Nuggets Vol. 12-Compilation kennt, der wird sicher mit mir einer Meinung sein, dass wir ein großartiges Album erwarten können.

Wie gesagt - bei "Jovita's" war die Hölle los - um 15 Uhr nicht gerade alltäglich. Der Mexikaner hat sich in den letzten Jahren zu einem der angesagtesten Anlaufstellen für sehr gutes Essen und beste Live-Musik gemausert. Das Gebäude wurde entsprechend renoviert, das Soundsystem aufgepeppt, so dass ein Hammersound aus den Lautsprechern drang. Schon am Eingang kamen wir ins Stocken, so voll war das Lokal - von den unzähligen Leuten im Hof ganz zu schweigen. Aber es hat mich keineswegs geärgert, dass der Andrang so groß war, denn auf der Bühne stand ein Blue Rose-Act: STEVE WYNN & THE MIRACLE 3 mit ihrem bereits 4. Auftritt in dieser Woche, nachdem sie zuvor um 12 Uhr im Secondhand-Record Store "Cheapo" gespielt hatten - vor einer für die Tageszeit ungewöhnlich großen Zuschauerkulisse.
Und Steve gab dem begeisterten Publikum, was es hören wollte: Songs aus den beiden letzten Alben Here Come The Miracles und Static Transmission, dazwischen eingestreut Dream Syndicate-Songs wie "Burn" oder "That's What You Always Say". Gitarrist Jason Victor spielte sich dermaßen in Rage, dass ich ihm nach dem Auftritt empfahl, doch etwas vorsichtiger zu sein, wenn er keinen Herzanfall riskieren wolle. Als Zugabe "The Days Of Wine And Roses", bei dem der proppenvolle Laden endgültig ausrastete. Was für ein fulminanter Auftritt! Besser geht's einfach nicht. Oder doch? Bei Steve und dieser Band ist alles möglich...

Die BOTTLE ROCKETS waren am Vortag nicht zu Eis erstarrt und Sänger Brian Henneman freute sich sichtlich, im T-Shirt auftreten zu können. 40 Minuten BROX-Rock vom allerbesten, wobei sie gleich mit meinem Lieblingssong "Indianapolis" loslegten, den ich euch auch als Video anbieten kann. Es ging weiter schnurstracks der Gitarrenrock-Spur entlang, der Sound dieser Band packt mich immer noch und wieder, und wenn alles gut geht, denn werden wir mit den Bottle Rockets am 17. Juli ihr einziges Deutschland-Konzert veranstalten. Daumen drücken! Natürlich habe ich von der Band noch weitere Songs mitgeschnitten, "Kit Kat Clock", "I Wanna Come Home" sowie "I'll Be Coming Around" und "1000 Dollar Cars" an einem Stück.

So, das war der Nachmittag. Kurze Pause, ehe wir uns den Abend-Ereignissen zuwenden...

Einen so richtig guten Plan hatte ich für diesen Abend eigentlich nicht. Also die beste Gelegenheit, einmal auf "Entdeckungsreise" zu gehen, genügend mir unbekannte Künstler gab es ja zuhauf. Also erstmal den ellenlangen Weg vom Hotel ins "Crowne Plaza Hotel" zurückgelegt und dort angekommen in den 18. Stock gefahren. KIM TAYLOR aus Cincinnati und ihre Band hatten bereits begonnen, aber das, was die Dame präsentierte, konnte mich gar nicht begeistern. Zu ruhig, zu langweilig kamen ihre Songs rüber. Allerdings muss man ihr zugute halten, dass es sicher keine Band schaffen wird, bei der Ambiete (Sitzreihen, Totenstille, nur wenige Besucher anwesend, die nach jedem Stück artig Applaus gaben) eine echte Stimmung zu erzeugen. Nach 15 Minuten bin ich aufgestanden und gegangen.

Zurück auf die 6. Straße ins "Bigby's", wo MAGNOLIA SUMMER (Bild links), eine junge Gitarrenrock-Band aus St. Louis, um 21 Uhr angekündigt waren. Die dann auch richtig gut waren, schöner Blue Rose-Gitarrensound. Wie beschreibt es Thomas Dewers von "Chill Music" treffend: "Die Musik kommt stimmungsvoll und abwechslungsreich im Einklang mit den verwandten Bands: melodisch-fliessender Gitarrenrock mit Country- und Pop-Elementen und herrlich-schmachtenden Balladen als ernste Alternative zu den Jayhawks." Genau.

Anschließend folgten MILTON MAPES (Bild rechts), ein Quintett aus Austin, das bereits vor 2 Jahren mit dem Album Westernaire aufhorchen ließ und soeben mit The Blacklight Trap ein neues Album veröffentlicht hat. Auch hier möchte ich "Chill Music" zitieren: "...wie ein gewaltiges, in epischer Breite angelegtes und in Musik transformiertes Südwestdrama mit einzelnen Kapiteln, die zwar auch separat für sich funktionieren, aber diesen sagenhaft nachhaltigen Eindruck erst in der Gesamtbetrachtung erzielen." Ein extremer Breitwandsound mit zum Teil 3 E-Gitarren erinnerte mich hier und da an die guten alten Rain Parade - gelungener Auftritt.

Wieder zurück auf die Straße ins "Friends", einem neuen Club. War früher mal das "Babe's On Sixth Street", und auf der Bühne standen REPUTATION, ein Quartett mit kleiner, unscheinbarer Frontfrau, die aber zumindest stimmlich mächtig auftrete. Pop-Rock-Punk, der mir absolut nichts sagte. Als dem Madel nach drei Songs die Gitarre kaputt ging, war für mich die Zeit gekommen zu gehen. Ich hatte für den heutigen Tag genug gesehen/gehört und ging zurück ins Hotel.

Verpasst: Chris Stamey, Ray Wylie Hubbard, Robert Earl Keen Band, Tony Joe White, Webb Wilder & The Nashvegans, Robert Plant and Strange Sensation, Mark Eitzel, Michelle Shocked, Stan Ridgway, Slaid Cleaves, Martha Wainwright, Ian Moore, Jake Brennan, John Doe, Clem Snide, Cowboy Mouth, Jeff Klein.



Dienstag, 15.3.

Vielen unter euch werden die Kürzel SXSW nichts sagen, auch dann nicht, wenn es ausgeschrieben "South-By Southwest" heißt. Wie bereits einführend erklärt, handelt es sich dabei um ein mehrtägiges Musikfestival, das in jedem Jahr zur gleichen Zeit, also Mitte März, stattfindet. Die Anfänge dieses Festivals, das schon seit einigen Jahren um die Themen "Film" und "Internet" erweitert wurde, gehen zurück bis Ende der 80er Jahre, als einige schlaue Köpfe auf die Idee kamen, etwas Leben in die Bude, sprich Austin, zu bringen. Mitte März gibt es in den USA "Spring Break" und alles, was irgendwie lernt, hat für eine Woche Ferien. Und in den Städten ist für genau in dieser Woche nichts los. Für eine Musikstadt wie Austin, wo Live-Musik pulsiert wie sonst nirgends in den Staaten, ein Debakel. Also versuchte man, irgendwie Leute in die Stadt zu holen. Und erfand SXSW. Das Ding wurde zum Selbstläufer, und im Laufe der Jahre schlossen sich immer mehr Clubs dem SXSW-Verbund an, was bedeutete, dass immer mehr Künstler und Bands auftreten konnten. Heute buhlen ca. 40 Clubs um die Besucher und ca. 1.300 Künstler werden in den 4 Tagen im Stundentakt von 20 Uhr bis 1 Uhr durchgeschleust. Jeder Auftritt dauert ca. 40 Minuten, dann muss innerhalb von 20 Minuten der Wechsel vollzogen sein. Das klappt wie am Schnürchen, kann ich euch sagen. Da gibt es keinen Soundcheck, da wird kurz getestet, ob die Gitarren und der Gesang über die Anlage kommen, und schon geht es los. Die Clubs liegen zum Großteil eng beieinander, so dass man bei geschickter Planung ganz schön rumkommt, bis ein Abend vorbei ist. Und man sollte versuchen, wenn möglich nach einem Sitzplatz Ausschau zu halten, denn nach 4 Tagen SXSW tun einem verdammt die Beine weh. Deshalb gehe ich heute Abend auch rechtzeitig ins "Hole In The Wall", denn ich möchte auf keinen Fall von 9 bis 2 Uhr einen Stehplatz haben.

Demnächst mehr vom "Swollen Circus" (so heißt der Abend im "Hole In The Wall").

Einige Stunden später...

Bereits zum zehnten Mal veranstalten Walter Salas-Humara (von den Silos) und Michael Hall den "Swollen Circus", bis auf eine Ausnahme im Club "Hole In The Wall". Der "Swollen Circus" ist nichts anderes als ein Abend voller Musik, wo sich innerhalb von 5 Stunden die Künstler im 3 Song-Takt abwechseln. Es ist unglaublich und für Neulinge immer wieder faszinierend, wie schnell die eine Band nach ihrem Auftritt von der Bühne verschwindet und ihre Instrumente einsammelt und auch gleich die nächste die Bühne betritt. Die nicht besonders groß ist.

Auch diesmal haben die beiden Organisatoren wieder ein buntes Programm zusammengestellt. Los ging es Punkt 21 Uhr mit JON NOLAN, vormals Gitarrist bei Say ZuZu. Jon hat mir vor seinem Auftritt ein Exemplar seines ersten Soloalbums in die Hand gedrückt, und die drei Songs (bei einem wurde er von Marlee McLeod begleitet) kamen beim Publikum sehr gut an. Den Song "Hope, AR" könnt ihr euch per Video zu Gemüte führen. Es folgten HITCH-HYKE, die simplen Gitarrenrock machen, wobei der zweite Song durch den Einsatz einer Trompete (?) doch sehr aus dem Rahmen fiel. Direkt hinterher MICHELLE ANTONY, eine adrette Singer/Songwriterin aus Milwaukee, Wisconsin, die Bass spielte und von einer kompletten Band begleitet wurde. Ebenfalls guter, schnörkelloser Rock. Dann wurde es richtig anders, was bei dem Bandnamen eigentlich auch zu erwarten war: SPOTTISWOODE & HIS ENEMIES machten - ja was eigentlich? Sieben Mann (äh, 6 Mann und 1 Frau) zwängten sich auf die kleine Bühne. Meine Vorahnung bestätigte sich, als ich die Instrumente der rechts stehenden Musiker sah: Saxophon und Trompete. Das war keine Rockmusik, das war schon eher Rockoper-mäßig, wobei der Sänger ein absoluter Frontmann ist, sich allerdings etwas zu sehr selbst darstellen wollte, obwohl die vertrackten Songs richtig gut waren. Wenn nur nicht die Bläser gewesen wären. Teilweise erinnerte mich das an "Tommy" von den Who, als Tommy in das Holiday Camp eingezogen ist. Na ja, oder so ähnlich.

Danach MICHAEL HALL & THE WOODPECKERS, die wie gewohnt rockten wie Hölle. "America" und "Angel" sind mir in Erinnerung geblieben, das erstgenannte gibt es als Video. Sofort anschließend THE SILOS, die erst 2 Tage zuvor von ihrer Europatour zurückgekehrt waren. Hier kann ich "Take A Hit" vom aktuellen Album When The Telephone Rings als Video abieten. MARLEE MCLEOD habe ich nicht mitbekommen, da ich zwischendurch immer wieder mal Konversation mit Bekannten und Unbekannten treiben musste.

So, jetzt muss ich kurz unterbrechen - Frühstück wartet. Zuvor jedoch noch ein Video von STEVE WYNN & THE MIRACLE 3, die als nächstes an der Reihe waren und einen neuen Song präsentierten, der als Video anzusehen ist: "Bruises".

So, da bin ich wieder. Sind bereits wieder 8 Stunden vergangen, und der Nachmittag war durchweg gelungen. Doch zunächst muss ich nochmals rückblenden zum "Hole In The Wall"-Event. Wo waren wir stehengeblieben? STEVE WYNN, richtig. Man sieht ihm an, wie hungrig er ist, nach einer für ihn ungewöhnlich langen Pause endlich wieder loslegen zu können. Wie ein Raubtier, das endlich aus dem Käfig entspringen kann. Und der Abend gehörte zweifellos ihm - die Band legte los mit "Death Valley Rain" und ging mit einer tierischen Version von "The Days Of Wine And Roses" auch schon wieder von der Bühne. Sollte allerdings nichts das letzte Mal gewesen sein, dass Steve Wynn einen Showcase hatte. Dazu später mehr.

Wer kam danach? Ich glaube STAN RIDGWAY. Was mir in Erinnerung blieb waren die beiden Worte, die er in jedem Satz mindestens zweimal fallen ließ, und zwar "fucking" und "asshole". Und dennoch - der Auftritt war sehenswert. Er an der Akustischen, eine Dame an den Keyboards und ein Bassist. Und überrumpelte Michael Hall, indem er einen 4. Song spielte. Kann sich wohl nur ein Stan Ridgway erlauben. Anschließend LAST TRAIN HOME, von denen ich nur am Rande etwas mitbekommen habe, da ich in Gespräche mit Steve Wynn und seiner Band vertieft war. Klang aber richtig gut. Als Abschluss HIGH STRUNG, die zwanzig vor 2 die Bühne betraten und schon allein durch ihr Outfit auffielen: Weiße Overalls mit Sternen sowohl an den Hemdärmeln als auch an den Hosenbeinen. Musik eine Punk-Pop-Rock-Mischung, die ich spontan als "Rubettes auf Speed" einstufte. Nicht mein Ding, dafür durften sie auch 5 Songs spielen. Bei 2:30-Minuten-Stücken war der Set dennoch nicht länger als bei den anderen Bands.

Schön wars auf jeden Fall, für mich eine der besten "Swollen Circus"-Veranstaltungen bisher.