Der Montag gehört noch nicht zum SXSW-Programm, es geht erst mittwochs los. Aber das soll nicht heißen, dass es montags keine Musik gibt. Austin ohne Live-Musik - unmöglich. Ein Blick in den örtlichen Austin Chronicle lässt uns aufblicken: in einem uns bisher vollkommen unbekannten Club namens "Scoot Inn" (für Kenner: 1308 E. 4st, also jenseits des Interstate 35) sollte CALVIN RUSSELL auftreten. Also nichts wie hin! Um halb neun angekommen, waren wir doch ziemlich enttäuscht über die Location - ein etwas größerer Holzverschlag, eine ziemlich schmucklose Theke, ein Billard-Tisch und ein paar Tische und Stühle. Keine Bühne! Ein Mensch baut gerade sein Schlagzeug auf dem Boden auf - zumindest wissen wir, wo die Musik spielen wird. Das kann aber noch dauern, also erst mal etwas zum Trinken holen. Natürlich unser bevorzugtes Bier, das Shiner Bock. Gleich der nächste Downer: Shiner Bock führt dieses Lokal nicht. Einen größeren Minuspunkt kann eine Musikkneipe in Austin nicht bekommen. Egal, wir ordern was anderes und setzen uns an den besten Tisch - nicht schwierig, denn es waren nur so etwa 10 Personen anwesend. So gegen 21.15 Uhr ging es los mit 3 Solo-Interpreten, von denen wir uns nicht die Namen gemerkt haben. So gegen 23 Uhr dann kam Bewegung in den Laden - Calvin Russell und seine 5 Mann (!) starke Band baute auf.
Keinerlei Soundcheck, das passt auch so. Dann ging es los - 3 Gitarren, Schifferklavier, Bass und Schlagzeug - und schon noch wenigen Sekunden wussten wir, dass sich das Warten gelohnt hat. Kraftvoll legte Calvin Russell los und ließ die Herzen der Gtarrenrock-Freunde höher schlagen. Der Laden hatte sich jetzt doch ziemlich gefüllt, was heißen soll, dass so um die 50 Besucher die Songs wie "Wild Wild West", "One Meatball" oder "Change the Weather" lautstark beklatschten. 40 Minuten etwa dauerte der Set, der vollkommen konträr zu der Location war und uns rundum begeisterte. Auf unsere Frage, wie es mit einem neuen Album aussieht, antwortete uns Calvin, dass er an einem neuen Werk arbeitet, außerdem hat er etwas von einem Film gesprochen, konnte bzw. durfte aber keine Einzelheiten nennen.
Der Dienstag Abend ist grundsätzlich für den "Swollen Circus" im kultigen "Hole in the Wall"-Club verplant, da kann kommen was wolle. Als Michael Hall und Walter Salas-Humara vor vielen Jahren mit dieser Veranstaltung begonnen hatten, da hatten sie kaum Konkurrenz zu befürchten, doch von Jahr zu Jahr sind bereits viele Künstler und Bands dienstags in die Stadt gekommen, und immer mehr Clubs bieten Shows an. Doch die Auswahl der auftretenden Künstler und die Regel, dass jeder nur 3 Songs spielen darf, garantiert in jedem Jahr ein volles Haus. So war es auch heuer, wo so viele "Acts" wie nie zuvor auf der Liste standen. Daher ging es bereits um 20.30 Uhr los mit einem deutschen Künstler: MARKUS RILL sang zwei Stücke aus seinem letzten Album sowie einen Song vom vor wenigen Tagen in Nashville aufgenommenen neuesten Werk. Er machte seine Sache ausgezeichnet, und nicht wenige Zuschauer wunderten sich, dass ein Musiker aus Deutschland solch grundamerikanische Musik machen kann.
Es folgten im eingangs erwähnten 3-Songs-Takt Bands wie die GORE GORE GIRLS, die für mich mehr durch ihr Auftreten/Aussehen als durch ihr musikalisches Wirken in Erinnerung bleiben werden. Das US-Label Bloodshot Records jedenfalls ist begeistert und hat die Punk(!)-Band unter Vertrag genommen. Was werden wohl die Fans dieses eigentlich auch auf "Insurgent" Country spezialierten Labels dazu sagen? Stellt ech mal vor, Blue Rose würde auf Punk machen? Hmm - anderes Thema...
THE TEENAGE PRAYERS came up next. Steve Wynn hatte uns die Band empfohlen - er hat das aktuelle Album des Quartetts produziert. Ziemlich deftiger und schneller Gitarrenrock, wobei ich mir erst ein abschließendes Urteil bilden möchte, wenn ich das Album gehört habe. MICHAEL ZAPRUDER spielte mal bei der Blue Rose-Band Naked Barbies. Das ist aber auch alles, was mir dazu einfällt.
![]() James McMurtry |
![]() Brent Best und Jess Barr (The Drams) |
Bei den Abendveranstaltungen bleibt der Auftritt einer kanadischen Band hervorzuheben, die im eigentlich völlig unzureichenden Irish Pub "BD Riley's" spielte. Eine extrem kleine Bühne, auf der einen Seite die Wand zur Straße, auf der anderen Seite ein bauchnabelhohes Geländer (die Amis wollen halt alle Möglichkeiten einer Klage - diesmal wegen Körperverletzung (es könnte ja jemand von der Bühne fallen) - ausschließen. Okay, das war ein Scherz, aber man darf sich schon fragen, was dieses Geländer soll. Der Gedanke, dass an dieser Stelle 4 Stunden später Patty Hurst Shifter spielen sollten, wollte mir gar nicht gefallen.
Im vorliegenden Fall war aber zumindest die Location an sich genau die richtige für BLACKIE AND THE RODEO KINGS - im Nu brachten sie den Club mit ihrem "Acoustic Honky Tonk Country on Speed", wie ich das mal beschreiben würde, zum Kochen, wobei die meisten der Besucher wohl kanadische SXSW-Besucher waren. Die drei - Colin Linden sieht aus wie eine kleine Ausgabe von Bud Spencer, Tom Wilson könnte jederzeit als Artos in "Die drei Musketiere" mitspielen - haben zudem einen grandiosen mehrstimmigen Gesang, und ihr Erscheinen (alle drei tragen schwarze Jacken mit wunderschön kitschigen Stickereien, wie sie auch Dave Kincaid bei den Brandos hat) unterscheidet sie schon mal von allen anderen Bands. Vollkommen ausgelassen sind sie dann zum Ende ihres Sets, als sie von der Bühne runter gehen und sich unter die Menge mischen, obwohl eigentlich überhaupt kein Plätzchen mehr ist. Und die Kanadier grölen aus vollem Herzen mit - eine unglaubliche Stimmung.
Ein weiteres Mal lädt unser US-Partner New West Records seine Geschäftspartner und Freunde des Hauses zu einer kleinen Party im "Club de Ville" ein. Und pünktlich dazu kommt auch die Sonne raus, nachdem es zuvor 2 Tage geregnet hatte. Ein gut aufgelegter und wie immer großartiger BUDDY MILLER war neben TIM EASTON, RICKIE LEE JONES (trat mit "voller" Band auf und brachte die Songs von ihrem neuen Erfolgsalbum gut rockig rüber), JASON ISBELL von Drive-By Truckers (der gerade an einem Soloalbum arbeitet, das wohl im Juni erscheinen soll - über uns dann in Deutschland!) sowie THE DRAMS, die schon zu Slobberbone-Zeiten den "Rauswerfer"-Part übernommen haben. Feine Sache, die Party, wie immer, wobei man sich diesmal so locker wie kaum zuvor bewegen konnte und auch mal ein kleines Sitzplätzchen zum Plaudern mit internationalen Bekannten fand.
Abends dann fiel die Wahl auf Bob Mould als Einstieg, die Schlangen vor "Buffalo Billiards" waren allerdings so lang, dass diese Idee gleich wieder verworfen wurde. Hinterher erfuhren wir, dass er nur mit akustischer Gitarre aufgetreten war und es nicht so doll gewesen sein soll. Nicht ganz so doll fand ich auch den Auftritt von KELLY WILLIS mit Chuck Prophet an der Gitarre, der das neue Album der Künstlerin produziert. Lag vielleicht auch daran, dass direkt in meinem Blickfeld ein (von der Band angeheuerter) Kameramensch sein Stativ aufgebaut hatte und mir komplett die Sicht auf die Lady nahm.
Für den Abend hatte ich mir mächtig etwas vorgenommen. Zunächst in das "Parish", einem richtig guten Club auf der 6. Straße, im 1. Stock gelegen. Super Blick auf die große Bühne, egal wo man steht. Dazu eine klasse Anlage, die einen hervorragenden Sound abgibt. Unter den am Engang stehenden Besuchern der Show war auch ein ziemlich berühmtes Gesicht auszumachen - Joe Walsh von den Eagles! Wen er allerdings sehen wollte an diesem Abend, das erfuhren wir nicht.![]() Buffalo Tom |
![]() Steve Earle |
![]() Chris Stamey & Peter Holsapple |
![]() Jon Dee Graham |
![]() James McMurtry |
![]() Bow Thayer |
![]() The Heathens |
